Auftaktveranstaltung zum Modellprojekt „Urbane Gewalt“ am 30. November im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig

Keine Stadt ist wie die andere, jede hat ihr eigenes Profil und eine unverwechselbare Kultur, besondere Stärken ebenso wie Probleme, die sie von anderen Gemeinwesen unterscheiden. Das Modellprojekt des Instituts B3 befasst sich mit der Situation in Leipzig im Hinblick auf urbane Gewalt. Der Einladung zur Auftaktveranstaltung des Modellprojektes folgten ca. 60 Akteure aus Sport- und Kulturvereinen, Expertinnen und Experten aus kommunalen Institutionen und Sicherheitsdiensten, Vertreterinnen und Vertreter von Parteien, Medien und der Polizei.

Gemeinsam ist allen Akteurinnen und Akteuren, dass sie mit Erscheinungen urbaner Gewalt in ihrer täglichen Arbeit konfrontiert sind. Mal wird Leipzig in den Medien als Boomtown gepriesen, dann wieder als Hauptstadt der Armut diskreditiert. Und wenn es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt, scheint es, als ob die Stadt ein besonderes Problem mit Kriminalität hat. Ist es wirklich schlimmer als anderswo? Was ist Wahrnehmung, was ist Realität?

Hauptreferent Prof. Dr. Udo Rudolph von der TU Chemnitz sagte: „Um den Phänomenen urbaner Gewalt auf den Grund zu kommen, muss man sich intensiv mit den Charakteristika der Stadt auseinandersetzen.“ In seinem Impulsvortrag sprach er sich u.a. dafür aus, Fachleute aus vielen Disziplinen in die Arbeit einzubeziehen: Psychologen, Architekten, Pädagogen, Epidemiologen, Kriminologen, jede und jeder habe einen eigenen Blick auf die Problematik. Ob deren Expertise zu konkreten Handlungsempfehlungen führte, hänge aber auch von einer Reihe weiterer Faktoren ab. Ein wesentlicher ist die Kommunikation mit Entscheidungsträgern ebenso wie mit Menschen aus den Tätergruppen. Die wichtigste Lektion ist: „Wir brauchen Zeit.“

Erfrischend kontrovers verliefen danach die Debatten in den Arbeitsgruppen und im Podiumsgespräch. Die Auftaktveranstaltung sollte vor allem der Bestandsaufnahme dienen. Das ist gelungen: Eine Fülle von Ideen, Gedanken und Erfahrungen wurden ausgetauscht, gesammelt und werden jetzt analysiert und verarbeitet. Den gemeinsamen Weg hat Projektleiterin Sara Schieferdecker als erstes Ziel ausgegeben. Das Kennenlernen machte den Anfang. Jetzt kann es losgehen!